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Was hat Sie, was ich nicht habe ? Wie oft schon waren wir auf Tanzveranstaltungen, haben uns unzählige Tänzerinnen und Gruppen angesehen und uns danach mit anderen Besuchern darüber unterhalten was uns besonders gut oder was uns gar nicht gefallen hat. Dabei wird unser Eindruck natürlich durch viele Faktoren bestimmt. Gruppentänze sind immer sehr beliebt und auch die seltener gezeigten Folkloretänze sind natürlich immer eine willkommene Abwechslung zum „Sharki-Einerlei“. Doch dann gibt es da noch die Tänzerin die mir so gut gefallen hat und die, die mir gar nicht gefallen hat. An welchen Kriterien machen wir fest ob uns eine Darbietung gefällt oder nicht ? Ist es die perfekte Tanztechnik, die schöne Figur, das hübsche Gesicht, die Haltung, das Lächeln ? Eigentlich kennen wir die Antwort auf diese Fragen ganz genau: Es ist das „Gesamtkunstwerk“ was zählt. Wie oft schon bin ich dahin geschmolzen beim Zusehen, nicht weil die Tänzerin die perfekte Figur, die punktgenaue Technik und den doppelten Salto rückwärts beherrscht hat. Nein, weil Sie „Es“ hatte, die Gabe mich „mitfühlen“ zu lassen, mich mitzunehmen in Ihre Welt und Ihren Tanz. Und da stellt sich immer wieder die selbe Frage: Was kann ich tun, um an meiner Ausstrahlung zu arbeiten. Wie verbessere ich meine Wirkung auf die Zuschauer. Wo muss ich ansetzen um „besser rüber zu kommen“, wie bekomme ich „Es“? Um diese Thematik anzugehen und die Strukturen der Interaktion zwischen Künstler und Zuschauer zu verstehen, müssen wir uns einige grundlegende Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten der Kommunikation vor Augen führen. Die Körpersprache: Auch wenn es uns überrascht: ca. 93% der Kommunikation entfällt auf körpersprachliche Zeichen (ca.35% darunter Tonfall und Stimme) und nur 7 % von dem was wir inhaltlich, also mit Worten sagen.
Körpersprache umfasst:
- Haltung
- Mimik
- Gestik
- Abstand / Territorialverhalten
- Tonfall
Es heißt: "Der Körper lügt nie." oder: "Der Körper ist der Handschuh der Seele." Nun ja, geahnt haben wir Tänzerinnen dies ja schon immer, wissen wir sehr wohl um die Wirkung von Gestik, Mimik und Körperhaltung um gezielt Stimmungen entstehen zu lassen. Aber dieses Wissen alleine macht es ja nicht – es muss auch umgesetzt werden. Das ist leichter gesagt als getan. Deshalb habe ich mich schon vor vielen Jahren auf die Suche nach den Grundlagen für authentisches Auftreten gemacht, und dabei bedeutet der Ausdruck Authentizität nicht einen Tanz mit „authentischen“ Bewegungen (z.B. Folklore mit den ursprünglichen und originalen Bewegungsabläufen) zu präsentieren, dies sollte für jede Tänzerin meiner Meinung nach ein „must have“ sein. Nein, es geht mir um die persönliche Authentizität als Künstler/In. Die Ausstrahlung, das was den Zuschauer fesselt, was ihn dahin schmelzen, jubeln oder weinen lässt. Eine eigene kommunikationsoffenen Körpersprache wird bestimmt durch Authentizität (Echtheit; Übereinstimmung von Innen und Außen), Wahrnehmung und Befreiung von Anspannungen und Verkrampfung (Panzerungen), einer angemessene Offenheit in Haltung, Mimik, Gestik und Tonfall und der persönlichen Überzeugungskraft (Persönlichkeit = "per sonare" = "das, was durchklingt"). Die faszinierende Vielfalt körpersprachlicher Signale zeigt allein die Tatsache, dass 22 mimische Muskeln auf jeder Seite des Gesichts etwa 10000(!) verschiedene Ausdrucksformen erzeugen können. Wie in einem früheren Beitrag der Chorika schon mal erwähnt sind die Spiegelneurone maßgeblich an unserer Wirkung auf das Publikum beteiligt. Spiegelung als Motor der Tänzerin-Zuschauer Interaktion: Ob wir Handlungen bei anderen beobachten – oder sie selbst ausführen: Für Spiegelneurone ist das dasselbe. Das Besondere an Spiegelneuronen: Sie sind für das innere Imitieren fremder Aktionen zuständig und bilden das Fundament von Mitgefühl, Sprache und Denken. Wie wir schon wissen, liegt die Ursache für das Wechselbad von Gefühlen im Gehirn. Dort gaukeln uns die Spiegelneurone vor, Dinge die wir sehen (z.B. auf der Kinoleinwand) tatsächlich zu erleben. Sie reagieren beim Beobachten von Verhaltensweisen ebenso, als würde man diese selbst ausführen. Spiegelneuronen werden nicht nur aktiv, wenn wir selbst jemand in den Arm nehmen, sondern auch, wenn wir dies nur sehen. Das bedeutet: Spiegelzellen sind in der Lage, die ganze Palette menschlicher Gefühle zu imitieren: Freude und Trauer, Furcht und Angst. Wenn nun ein Aufeinander-Zubewegen, ein Synchronisieren, ein gemeinsames Im -Takt -Bewegen hergestellt wurde wird der Kon-Takt hergestellt. Authentizität Authentizität' ist ein modernes Schlagwort. Es bedeutet „Echtheit’, und als Prädikat hängen wir es Menschen an, bei denen wir den Eindruck haben, sie seien wirklich „sie selbst’, also authentisch. Anders als bei Menschen, die Konventionen folgen, haben authentische Menschen echte Wahlmöglichkeiten, die allein an der persönlichen Struktur gemessen werden. Diese erweiterte und bewusste Wahl erlaubt ein Maximum an Effektivität denn dadurch entsteht wiederum ein Bezug zum Umfeld und damit eine auf das Ergebnis ausgerichtete Entscheidung die im Umfeld Konkordanz (Übereinstimmung) erzeugt. Auf das Tanzen bezogen bedeutet dies in erster Linie, das die so häufig gesehen Versuche andere Tänzerinnen und deren ureigene Art zu tanzen zu kopieren jegliche Authentizität sterben lassen. Dies bedeutet aber auch, daß bei hinreichend vorhandenem und frei abrufbarem Bewegungsfundus (Technik) der Entwicklung von Authentizität alle Tore offen stehen.
Authentizität erkennen und entwickeln Authentizität ist keine Qualifikation. Sie kann nicht “gelernt” werden – treffender wäre wohl zu sagen: Um zur Authentizität zurück zu finden, bedarf es eher eines Vorgangs, den man als Ent-Lernen bezeichnen würde. Menschen, die authentisch sind, haben eine Reihe von Merkmalen, die wir rational erfassen können: Sie betrachten sie als veränderlich. Sie sind in der Lage, Situationen, zu beobachten ohne zu bewerten und bei der Beobachtung verschiedenste Blickwinkel einzunehmen. Sie fällen Entscheidungen in einer ganz bestimmten Reihenfolge (als Alternativwahl anhand eines situationsunabhängigen Maßstabs). Und vor allem können sie auf die Frage, wer sie sind, eine Antwort geben, die weder etwas mit ihrer sozialen Position noch etwas mit ihren erlernten Fähigkeiten oder gar mit ihrem Besitz etwas zu tun hat. All diese “Symptome” von Authentizität können trainiert oder gecoacht werden. Die Voraussetzung hierzu ist allerdings, dass es sich um Menschen handelt die etwas tun, weil sie so sind, und nicht, weil sie etwas haben wollen. Und genau dies ist der Knackpunkt ! Erst wenn ich mich als Tänzerin dafür entschieden habe zu tanzen, weil ich tanzen und dem Publikum etwas geben möchte kann ich authentisch sein. So lange ich auf die Bühne gehe, weil ich etwas haben will (Anerkennung, Lob, Geltung, Bewunderung ect.) ist der Weg zur Authentizität versperrt. Selbstwertgefühl und Zufriedenheit – sie zusammen sind die Grundvoraussetzung für authentisches Auftreten. Sie bestimmen das Selbstbild und das Selbstwertgefühl und bilden gemeinsam das Selbstkonzept. Das Selbstkonzept ist der Abgleich eigener Interpretation und Rückmeldung der Umwelt Meine Lieblingsbeschreibung von Authentizität stammt von Nietzsche Nietzsche unterteilt Authentizität in drei Hauptkriterien. Erstens: Es gibt Dinge, bei denen der authentische Mensch nie lügt, und er belügt niemals sich selbst. Zweitens: Ein authentischer Mensch beschmutzt sich nicht und handelt nie in einer niedrigen Weise. Drittens: Ein authentischer Mensch ist ein Mensch, der versprechen darf. Ein authentischer Mensch belügt sich selbst nie, auch wenn er darunter leidet. Falls er ein Maler ist, dann lügt er nie mit seinem Pinsel; wenn er ein Philosoph ist, lügt er nicht im philosophischen Denken……..
Was lernen wir nun aus diesen vielen theoretischen Betrachtungen für unser Tun als Tänzerin ? Anfangen müssen wir bei uns selbst. Wir müssen uns zuerst einmal zurücklehnen und fragen: Warum tanze ich ? -Was fühle ich wenn ich tanze ? - Will ich einen Mangel stillen und wenn ja, welchen ? (Suche nach Anerkennung, Macht, Bewunderung …?) - Woran denke ich wenn ich tanze, welche Gedanken dominieren mein Tun ? - Bin ich in mir wenn ich tanze ? - Wie sehe ich mein Publikum ? - Was fühle ich wenn mich die Zuschauer betrachten ? - Kann ich den Zuschauern in die Augen sehen ? (stehe ich mit voll hinter mir wenn ich tanze ? –Selbstakzeptanz und Selbstkonzept)
Nun ja, und dann ? Loslassen von Konventionen, Ängsten und Zwängen, die wir uns selbst auferlegen und den Tanz von Innen „kommen lassen“. Die Bereitschaft das was man von Innen holt „denen da draußen“ zu geben hat zugegebenermaßen etwas von „Seelen-Exibitionismus“, aber macht das nicht gerade den Künstler aus ? Mich jedenfalls macht beim Tanzen nichts glücklicher als Zuschauer, die das was ich ihnen gebe in vollen Zügen aufnehmen und denen ich ansehen kann, daß sie meine Gefühle, die ich durch das Tanzen zum Ausdruck bringe „mitleben“.
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